Buchvorstellung: Marshall B. Rosenberg. Junfermann Verlag Paderborn, 2006

Dem anderen frei und ohne Verpflichtung zu begegnen, das ist in Liebesbeziehungen ungleich schwerer als in anderen Beziehungen.

Marshall B. Rosenberg zeigt an vielen Beispielen und kleinen Rollenspielen, wie eine solche Begegnung zweier Liebender dennoch möglich ist. Er wendet sich den konkreten Situationen der Teilnehmer zu und weist einen neuen Weg. Die Elemente der Gewaltfreien Kommunikation (Beobachtung, Gefühl, Bedürfnis und Bitte) werden auf diese Art lebendig und anregend eingebracht.

Mir hat am besten gefallen, wieviel wir mit Hilfe von 4 Fragen lernen können. Konkrete Fragen, die sich Partner stellen können, um zu erfahren, was sie tun können, um dazu beizutragen, dass der andere ein vollkommeneres Leben führt. Er sagt, dass es besonders schwierig ist, in einer Ehe miteinander in Verbindung zu bleiben. Er begründet das damit, dass wenn man einmal denkt, dass die andere Person „Eigentum“ ist (Meine Frau, Mein Mann), dann würde man weniger auf die Herzensverbindung achten und aufmerksam bleiben, ob das eigene Verhalten dazu beiträgt, der anderen Person gut zu tun. Und sich eher aus Pflichtgefühlt der anderen Person widmen als auch einem eigenen Wunsch heraus zu geben.

Diese Fragen sind auch im Paargespräch gut anzuwenden:

  1. Würdest Du mir eine Sache sagen, die ich als Dein/e Partner/Partnerin tue und die nicht dazu beiträgt, dass dein Leben so vollkommen wie nur möglich verläuft?
  2. Wie fühlst Du Dich, wenn ich tue, was ich tue?
  3. Welche Deiner Bedürfnisse werden durch mein Handeln nicht zufrieden gestellt?
  4. Was kann ich tun, um Dein Leben zu bereichern?

Es braucht ein paar Vorwegannahmen und Kenntnisse, um die 4. Frage gut stellen zu können. „Ich bin mir in diesem Moment bewusst, dass ich etwas tue, was Dein Leben nicht bereichert. Ich weiß auch, dass mein Handeln bestimmte Gefühle bei Dir auslöst. Du hast mir gesagt, welche Deiner Bedürfnisse nicht zufrieden gestellt worden sind. Nun sage mir bitte noch, was ich tun kann..“

Die gewaltfreie Kommunikation ist eine gute Methode, um sich über die eigenen Bedürfnisse und Gefühle bewusster zu werden und sie effektiver mitzuteilen. Und auch offen zu werden für das, was die andere Person mir zu sagen hat. Die zuweilen gestellte oder auch unnatürliche Sprache, die hier benutzt wird, kommt mir fern der Kommunikationsrealität der Paare vor. Hier gilt es eine große Brücke zu schlagen. Sich mit der Haltung der GFK und dem Menschenbild dahinter zu beschäftigen, das ist sehr wertvoll und ratsam. Je mehr man davon „inhaliert“ hat, um so geschmeidiger wird auch die Sprache.

Irritiert hat mich, dass sich Rosenberg in dieser Mitschrift des Workshops sehr schnell ein Bild davon macht, was der/die Partner/in der Teilnehmenden denkt, fühlt, will, braucht. Das geht mir manchmal zu schnell und hat mich in der Intensität und der Endgültigkeit der Formulierung überrascht.

Was hat das nun mit dem Thema „Selbstliebe“ zu tun?

Ich denke, dass es der Paarbeziehung gut tut, wenn beide ein positives Gefühl zu sich selbst haben, sich kompetent fühlen, sich gut um sich selbst und die eigenen Bedürfnisse zu kümmern. Die 4 Fragen kann man sich auch selbst mal stellen, was würde in Deinem Leben dazu beitragen, dass es vollkommen(er) ist?

Erst dann kann ich mich gut auf jemanden anders konzentrieren, ohne mich abhängig, vorwurfsvoll, neidisch oder pflichtbewusst zu fühlen. Erst, wenn ich gut mit mir bin und mich gerne mag, kann ich die andere Person auch gerne mögen, aus ganzem Herzen.